Messestadt Buchmesse Saar 2020
Allgemein

Meine Erlebnisse auf der virtuellen Buchmesse Saar 2020

Vom 19.06. bis zum 21.06.2020 fand die Buchmesse Saar statt – online und kostenlos. Zugegebenermaßen wäre ich nicht dort gewesen, wenn die Messe real stattgefunden hätte, vor allem natürlich wegen der eigenen Unsicherheit wegen Corona, aber auch, weil das Saarland doch ziemlich weit weg liegt. Aber genau hier liegt ja auch eine der Stärken einer virtuellen Messe: Es ist egal, wo man sich aufhält. So habe ich drei Tage vollgepackt mit Lesungen und Workshops genießen können!

Die Messe begann am Freitag, pünktlich um 17 Uhr, mit Grußworten von Benjamin Kiehn und Karsten Wolter, welche vor allem der Kultusministerin des Saarlandes für die große Unterstützung dankten. Auch diese sandte einige Grußworte an die Messebesucher und schon ging es los, mit den ersten Lesungen.

Im Folgenden habe ich mal zusammengefasst, was ich mir so angesehen habe:

Lesungen:

Cover "New Dreams"

Angefangen habe ich mit „New Dreams“ von Lilly Lucas, dem 3. Band der Green Valley Love Reihe. Ich hatte diese Bücher schon etwas länger auf dem Schirm und hatte einige Empfehlungen gehört, war mir jedoch noch unsicher, daher war das eine wunderbare Gelegenheit für mich. Leider muss ich gestehen, dass mir der Schreibstil des Buches absolut nicht zugesagt hat, weshalb ihr diese Bücher auch in Zukunft vermutlich nicht auf diesem Blog finden werdet.

Cover "Berg der Macht"

Auch noch am Freitag gab es eine Lesung zur „Gezeiten der Macht“ Trilogie von Robert Corvus.  Der Autor hatte eine, wie er selbst sagte, einschläfernde Stimme, jedoch hat mir der Inhalt der gelesenen Auszüge sehr gut gefallen. Die poetisch anmutenden Szenen, mit ausschweifenden Beschreibungen klangen unglaublich schön und ich habe mir diese Bücher definitiv für die Zukunft vorgemerkt. Da es sich hier allerdings um Bücher handelt, die man vermutlich nicht gut nebenbei lesen kann, werde ich wohl kaum vor dem nächsten Jahr dazu kommen, sie zu lesen.

Cover "Herz aus Kristall"

Am Samstag trug Juliane Seidel einige Szenen aus ihrem Werk „Herz aus Kristall“ vor. Es handelte sich hierbei um einen urban Fantasyroman, mit einer queeren Hauptperson. In der Geschichte kamen Wesen, wie Kelpies und Geister vor, was sie definitiv von vielen anderen abhebt.



Cover "Chroniken von Azuhr" 1

Abends gab es eine Lesung von Bernhard Hennen zu seiner „Chroniken von Azuhr“ Trilogie. In dieser geht es um Fake-News und darum, wie Geschichten die Welt verändern. In der Welt des Buches wird durch Magie alles wahr, was viele Menschen glauben, wodurch etwa Märchen Gestalt annehmen. Auch diese Bücher werde ich definitiv lesen, jedoch bezweifle ich, aus den gleichen Gründen, wie bei der „Gezeiten der Macht“ Trilogie, dass ich dies dieses Jahr noch mit gutem Gewissen tun kann.

Am Sonntag las Oliver Plaschka zwei Szenen aus seinem Roman „Wächter der Winde“ vor. Hierbei handelte es sich um eine Adaptation von William Shakespeares Werk „The Tempest“. „Wächter der Winde“ ist ein urban Fantasyroman. Nach der Lesung erzählte Plaschka noch einige Anekdoten zur Erstellung des Covers, auf dessen Gestaltung er Einfluss hatte.



Das „Schloss der Schatten“ von Jeanette Lagall war meine letzte Lesung auf der Buchmesse. Der Roman war ebenfalls ein urban Fantasyroman, welcher in Koblenz spielt. Es ging hier um einen Vampir, welcher einen rätselhaften Handel mit Hexen einging und ein Mädchen, welches Magie spüren kann und dadurch ein Geheimnis aufdeckte.

Workshops / Diskussionsrunden:

Neben den Lesungen gab es auch eine Menge interessanter Workshops, von denen ich einige mitgenommen habe. Den Anfang hat dabei am Freitag die Veranstaltung „Diversität im Buchmarkt“ gemacht. Die Moderation hatte hierbei Isabel Sonnabend. Zu Gast waren die Autorinnen SchwarzRund („Biskaya“) und Deniz Ohde („Streulicht“) und die Buchhändlerin bei Ocelot Magda Birkmann. Es wurde darüber gesprochen, dass die deutsche Buchbranche sehr weiß und sehr heterogen sei, Werke von farbigen Autoren würden beinahe gar nicht angenommen. Es sei hier besonders an den kleineren Verlagen, mutig zu sein und dieses Bild zu ändern. Ebenfalls angesprochen wurde, dass viele Leser gerade heutzutage zwar auf Diversität achten würden, jedoch eher zu den großen Bestsellern aus Amerika, statt zu Werken von heimischen farbigen oder queeren Autoren zu greifen. Hier seien Buchhändler gefragt, sich weiterzubilden und entsprechende Empfehlungen auszusprechen. Es wurden die Hashtags #frauenlesen #ownvoices und #vielfaltdurchlesen vorgeschlagen, für alle, die auf social media nach Ressourcen suchen. Ebenfalls gab es Buchvorschläge: „1000 Serpentinen Angst“ von Olivia Wenzel, „Schläge: Ein Portrait der Autorin als junge Ehefrau“ von Meena Kandasamy und „I’m not dying with you tonight“ von Gilly Segal und Kimberly Jones.

Am Sonntag gab es einen Workshop zum Thema „Weltenbau in Fantasy und Sci-fi“ von Robert Corvus und Bernhard Hennen, von denen ich ja bereits Lesungen besucht hatte. Die beiden nutzten Welten aus ihren eigenen Büchern, um einige Punkte zum Thema Weltenbau zu veranschaulichen. So schlugen sie etwa vor, für den Anfang eine bereits vorhandene Welt zu nutzen und diese auszubauen. Dafür anbieten würde sich etwa „Aventurien“, die Welt aus dem Pen&Paper Spiel „Das schwarze Auge“. Ein weiterer Tipp der Autoren war, auf einer Weltkarte nur den Teil stark auszuarbeiten, welcher in der Geschichte eine Rolle spielt und den Teil darum graduell immer unschärfer werden zu lassen. Es sei immer wichtig, den Weltenbau von der Geschichte her zu denken. Bernhard Hennen fügte noch hinzu, auch Fantasy könne politisch sein. Hierzu gab er Beispiele aus seinen Werken, vor allem den Chroniken von Azuhr.

Direkt im Anschluss redeten die drei Autorinnen Lily Wildfire, Jana Tomy und Juliana Fabula über die Genrevielfalt im Fantasybereich. Zunächst wurde hier High Fantasy genannt, welches mit Werken wie „Herr der Ringe“ oft das klassische Bild des Fantasygenres sei. Die Autorinnen stellten jeweils die Subgenres ihrer Bücher vor. Lily Wildfires Buch „Maskenmacht“ etwa kann im Bereich Dark Fantasy verordnet werden. Bücher dieses Subgenres sind oftmals besonders düster und haben Horrorelemente. Überdurchschnittlich viele Geschichten in diesem Bereich handeln von Vampiren und Werwölfen. Jana Tomys Roman „Sepharial“ gehört zur Romantasy, in welcher der Schwerpunkt eher auf der Romantik liegt, die Geschichte ist dabei aber in ein fantastisches Setting eingebaut. Juliana Fabulas Buch „BeastSoul“ gehört in den Bereich der urban Fantasy. Diese Geschichten spielen in unserer Welt, jedoch kommen fantastische Elemente vor. Prominente Beispiele in diesem Bereich sind etwa „Twilight“ und die Schattenjäger-Chroniken. Die Autorinnen sprachen danach noch mit den Zuschauern darüber, in welche Genres sich gewisse Stilmittel, wie etwa religiöse Elemente, einordnen ließen.

Meine letzte Veranstaltung auf der Buchmesse war eine Diskussionsrunde zum Thema „Digitales Publishing“. Zu Gast waren hier Laura Hoffman von FIDIPUB, Nikola Richter von mikrotext und Robby Jünger vom Hybrid Verlag. Gesprochen wurde vor allem darüber, dass das Ebook in Deutschland immer noch oft stiefmütterlich behandelt werde, was etwa daran läge, dass Deutsche stark mit gedruckten Büchern sozialisiert würden, weshalb Ebooks den Ruf haben „nicht richtig“ zu sein. Zusätzlich würden Ebooks oft zu teuer verkauft. Es sei wichtig, gewisse Innovationen für die Oberflächen zu entwickeln, wofür aber kleinen Verlagen, welche stärker auf Ebooks setzen, oft das Geld fehle. Zudem wurde darüber geredet, dass die meiste Werbung der Buchbranche über social media laufe. Hier würden Blogger eine immens wertvolle Arbeit mit ihren Rezensionen leisten.

Und weil mich, als Bloggerin, diese Worte so gefreut haben, möchte ich damit auch den Beitrag beenden. Ich hatte ein erlebnisreiches Wochenende und das, obwohl ich meine Couch nicht verlassen musste!

Die virtuelle Messestadt ist übrigens noch bis Oktober begehbar, auf https://buchmesse-saar.de/
Aufzeichnungen der Lesungen gibt es auf den Youtube Kanälen der Buchmesse Saar, sowie Popscene TV und auf der entsprechenden Facebookseite.

Für dich vielleicht ebenfalls interessant...

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.