Dystopie Fantasy Lesetipp

Die Tribute von Panem X

Rezension zu „Die Tribute von Panem X – Das Lied von Vogel und Schlange“ von Suzanne Collins

Meine Bewertung:

Details:
Titel: Die Tribute von Panem X – Das Lied von Vogel und Schlange
Autorin: Suzanne Collins
Verlag: Oetinger
Seiten: 608
Kauflink: Amazon
Preis: 26,00 € (D) Hardcover; 15,99 € (D) E-Book

Worum geht es?

„Ehrgeiz treibt ihn an. Rivalität beflügelt ihn. Aber Macht hat ihren Preis. Es ist der Morgen der Ernte der zehnten Hungerspiele. Im Kapitol macht sich der 18-jährige Coriolanus Snow bereit, als Mentor bei den Hungerspielen zu Ruhm und Ehre zu gelangen. Die einst mächtige Familie Snow durchlebt schwere Zeiten und ihr Schicksal hängt davon ab, ob es Coriolanus gelingt, seine Konkurrenten zu übertrumpfen und auszustechen und Mentor des siegreichen Tributs zu werden. Die Chancen stehen jedoch schlecht. Er hat die demütigende Aufgabe bekommen, ausgerechnet dem weiblichen Tribut aus dem heruntergekommenen Distrikt 12 als Mentor zur Seite zu stehen – tiefer kann man nicht fallen. Von da an ist ihr Schicksal untrennbar miteinander verbunden. Jede Entscheidung, die Coriolanus trifft, könnte über Erfolg oder Misserfolg, über Triumph oder Niederlage bestimmen. Innerhalb der Arena ist es ein Kampf um Leben und Tod, außerhalb der Arena kämpft Coriolanus gegen die aufkeimenden Gefühle für sein dem Untergang geweihtes Tribut. Er muss sich entscheiden: Folgt er den Regeln oder dem Wunsch zu überleben – um jeden Preis.“

Philosophischer Hintergrund:

Das Buch beginnt mit fünf Zitaten von Philosophen und Schriftstellern, allen voran zwei Zitate der Philosophen Thomas Hobbes und John Locke zum Naturzustand. Im gesamten Buch werden ihre sehr gegensätzlichen Positionen dazu immer wieder aufgegriffen. Als Philosophiestudentin hat dies mein Herz höher schlagen lassen und ich habe beschlossen, hier einen ganz kurzen Überblick darüber zu geben. Es ist natürlich möglich, das Buch zu verstehen, auch ohne dieses Vorwissen zu haben, wen dies also nicht interessiert, der kann problemlos weiter zum nächsten Punkt springen. Ich glaube aber schon, dass es hilfreich ist, dieses Wissen zu haben, um einige der Konversationen besser einordnen zu können.

Also was ist nun der Naturzustand? Es ist der Zustand, welcher herrschen würde, wenn keine Regierung existieren würde. Hobbes und Locke nutzten beide den gleichen Begriff hierfür, jedoch waren sie sehr unterschiedlicher Meinung, wie dieser aussehen würde. Nach Lockes Ansicht würde das „Gesetz der Natur“ herrschen, sodass die Menschen sich gegenseitig keinen Schaden an Leben, Besitz, Gesundheit und Freiheit zufügen würden. Auch wenn Locke hier einige Problematiken und Nachteile gegenüber einer Gesellschaft mit Regierung sah, zeigt sich in seinen Ausführungen, dass er den Menschen als im Kern gut ansah, weshalb ein Zustand ohne Instanz, die Regeln setzt und sie überwacht, dennoch funktionieren kann.
Hobbes dagegen sah den Menschen als im Kern böse an, insofern, dass er letztlich immer nur sein eigenes Wohl verfolge. Im Naturzustand, in welchem eben keiner Gesetze überwache, gehöre alles allen, was dazu führen würde, dass sich die Starken nehmen würden, was sie wollen. Es herrsche ein dauerhafter Kriegszustand in welchem jeder gegen jeden kämpft.

Um aus dem Naturzustand zu kommen müsste ein „Gesellschaftsvertrag“ geschlossen werden, durch den dann eine Regierung eingesetzt würde. Da dieser Punkt im Buch nur ganz am Rande angesprochen wird, werde ich hier nicht noch genauer erklären, wie dies funktioniert. Ich bin aber natürlich für Diskussionen offen, also schreibt mir gerne eine Mail, oder kommentiert den entsprechenden Beitrag bei Facebook oder Instagram!

Im Buch gibt es einen Disput zwischen verschiedenen Charakteren darüber, was geschehen würde, wenn ein Naturzustand herrschen würde und ob der Mensch im Kern gut oder böse ist. Das Buch selbst gibt dabei keine Antwort als die richtige vor, jedoch findet der Hauptcharakter, Coriolanus Snow, am Ende eine Antwort für sich.

Meine Meinung:

Die Geschichte:

Das Buch beginnt etwas langsam, während Coriolanus Snow (welchen ich ab jetzt hier nur noch als Snow bezeichnen werde, da ich mit dem Vornamen schon beim Lesen gekämpft habe) sich für die Erntezeremonie der 10. Hungerspiele fertigmacht. Es gibt währenddessen sehr viele Hintergrundinfos, was etwas ungewohnt war, da die meisten aktuellen Bücher direkt im Geschehen beginnen. Für mich persönlich war dies eine angenehme Abwechslung, ich weiß aber auch, dass nicht jeder einen langsamen Start mit einem Haufen Informationen mag.

Wenn man die ersten drei Bücher (oder vier Filme) kennt, fällt sofort ein starker Unterschied zwischen den Hungerspielen und dem Kapitol beider Versionen auf, immerhin vergehen dazwischen auf 64 Jahre. Zum Zeitpunkt von „Die Tribute von Panem X“ ist der Krieg zwischen Rebellen und Kapitol gerade 10 Jahre her und die Folgen sind noch greifbar. Noch immer sind viele besondere Nahrungsmittel Luxusgüter, an ausschweifende Partys ist nicht zu denken und die Hungerspiele sieht sich beinahe niemand an. Zu sehr erinnern diese auch Kapitolbürger an den Krieg. Die Tribute werden nach der Ernte nicht in Penthouses untergebracht, sondern im alten Affenhaus des Zoos, wo sie kaum zu essen erhalten.

Snow, als Eliteschüler, bekommt den Auftrag, ein Mentor für Lucy Gray, den weiblichen Tribut aus Distrikt 12 zu sein. Zudem arbeitet er eng mit der obersten Spielemacherin zusammen, um Wege zu finden, wie die Menschen die Hungerspiele anschauen wollen. Seine Vorschläge haben Erfolg und er steigt in der Gunst der Leute, die über ein mögliches Stipendium entscheiden. Snow sieht sich schnell jedoch zwischen den Fronten. Wie weit wird er gehen, um die Zukunft seiner Familie zu sichern? Und wie weit, um seinen Tribut, zu der er Gefühle entwickelt hat, zu retten?

Leser der ursprünglichen Bücher werden viele Referenzen auffallen. Es wird beispielsweise erzählt, woher die Lieder, welche Katniss gesungen hat, kommen, die Entwicklung der Spotttölpel wird gezeigt und vieles mehr. Dabei spielen die meisten dieser Dinge tatsächlich eine wichtige Rolle im Buch und sind nicht nur einfach da, um Leser anzulocken.

Insgesamt hat mich die Geschichte gefesselt und es gab einige sehr unerwartete Wendungen. Und das obwohl ja bereits zuvor bekannt ist, wohin die Geschichte gehen muss.

Die Charaktere:

Ich hatte zunächst die Befürchtung, dass Snow hier als sehr positiver Charakter dargestellt werden würde, der eigentlich nur missverstanden war. Doch dem war nicht so. Ja, Snow hat mehrere positive Charaktereigenschaften, so ist er vor allem sehr charismatisch und intelligent. Doch daneben ist er auch von sich selbst eingenommen, unehrlich, kalt, berechnend und er hält Menschen, die nicht aus dem Kapitol kommen für Abschaum.
Als Snow Lucy Gray kennen lernt und Gefühle für sie entwickelt, sieht er, dass nicht alle Menschen aus den Distrikten primitiv sind. In diesen, wie auch anderen Situationen kommt es zu charakterlichen Entwicklungen, welche jedoch oft nicht so verlaufen, wie man es erwarten würde. Snows moralischer Kompass ist völlig anders, als der anderer Helden und manchmal habe ich persönlich ihn sogar als geradezu abstoßend empfunden. Und trotzdem habe ich mit ihm mitgefiebert (und dann gleichzeitig auch nicht), was doch ein ziemliches Wechselbad der Gefühle war. Ich habe Snow als großartigen Charakter empfunden, menschlich dagegen habe ich ihn verabscheut.

Gerade am Anfang ist es etwas schwer, bei den vielen Charakteren, mit den komplizierten Kapitol-Namen den Überblick zu behalten. Doch die Zahl dünnt sich schnell aus. Die Charaktere sind ihrer Wichtigkeit entsprechend auch gut charakterisiert, wobei man natürlich keinen Einblick in ihr Innenleben hat, so wie bei Snow. Was mich ein kleines bisschen gestört hat, war, dass Charaktere oft einfach verschwanden und dann nicht wieder erwähnt wurden. Ich kann zwar in den meisten Fällen verstehen, warum dies so gemacht wurde, jedoch war es teilweise etwas enttäuschend, wenn ein, meiner Meinung nach, noch offener (wenn auch unwichtiger) Handlungsverlauf einfach fallen gelassen wurde.

Insgesamt habe ich die Charaktere in „Die Tribute von Panem X“ als glaubhaft und gut gestaltet empfunden.

Fazit:

„Die Tribute von Panem X – Das Lied von Vogel und Schlange“ hat nicht nur mein Philosophenherz, sondern auch mein Leserherz erfreut. Es ist spannend, hat gute Charaktere und behandelt philosophische Themen so, dass auch Laien es gut verstehen können. Insgesamt würde ich dieses Buch als eines meiner Jahreshighlights bis jetzt beschreiben!

Für dich vielleicht ebenfalls interessant...

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.