Fantasy

Q-World

Rezension zu „Q-World“ von Charles H. Barnes

Meine Bewertung:

Details:
Titel: Q-World
Autor: Charles H. Barnes
Seiten: 468
Kauflink: Amazon
Preis: 13,99 € (D) Taschenbuch; 4,99 € (D) E-Book
Erhältlich im Kindle Unlimited Abo

Worum geht es?

„Die Künstliche Intelligenz hat sich von ihren Schöpfern losgesagt. Mächtige Quantencomputer, deren Denken unendlich Mal mehr ist als das der Menschen, erschufen eine Welt, die mit nichts zu vergleichen ist, was die Menschheit bisher hervorgebracht hat, und schenkten ihnen diese.

Ben hatte Glück. Er kam an eine der begehrten „Q-Caps“ heran, mit der das Langzeiteintauchen in die virtuelle Welt möglich ist, und findet sich als einfacher Level-1 Charakter dort wieder. Eigentlich will er nur in Ruhe sein Avatar aufbauen und die Anfängerquests erfüllen. Doch unverhofft gerät er zwischen die Fronten der Zwerge und den von ihnen versklavten Kobolden. Was kann Ben ausrichten, in einer Welt, wo die lichten Zwerge düstere Absichten hegen, und ist diese Simulation tatsächlich nur ein Spiel der Menschen oder verschweigen die KIs ihr wahres Motiv?“

Meine Meinung:

Die Geschichte:

Selten ist das, was auf dem Rücken eines Buches geschrieben steht, so irreführend, wie bei diesem Buch. Ja, es gibt einen Konflikt zwischen Zwergen und Kobolden in dem der Protagonist, Ben, mitmischt und ja es gibt auch zwischendurch mal etwas Gerede darüber, was die KIs nun wirklich wollen. Aber beide Themen sind eigentlich nur Nebengeschichten in diesem Buch. Fairerweise muss man allerdings auch sagen, dass es keine wirklich Hauptthematik gibt. Die gesamte Geschichte fühlt sich an, als würde man in einem Computerspiel eine der Zonen durchspielen und dann schnell zur nächsten wechseln: Es gibt immer wieder kleinere Geschichten, die erzählt werden, aber diese wechseln andauernd.

Aber fangen wir von vorne an: Ben beginnt sein Abenteuer in einem Computerspiel, in welchem seinem Gehirn simuliert wird, dass er tatsächlich dort sei. Tatsächlich liegt sein Körper in einer Kapsel und wird dort versorgt, solange, bis er entscheidet, sich wieder auszuloggen. Von Anfang an wird klar, Ben ist von sich selbst eingenommen, meint alles besser zu wissen und hält nicht sonderlich viel von KIs. Die Gründe dafür werden im Buch immer mal wieder erläutert und wären guter Stoff, um die ethischen Konsequenzen einer von Maschinen übernommenen Gesellschaft zu erkunden. Allerdings wird die Thematik jedes Mal in wenigen Sätzen abgehandelt, wodurch das einzige, was sich durch die gesamte Geschichte zieht, unwichtig erscheint.

Während der Charaktererstellung wirft der Autor Rassen und Klassen durcheinander, was aber vermutlich nur auffällt, wenn man selbst viel Erfahrung mit solchen Spielen hat. Ben beginnt nun mit den Anfängerquests (eine Quest ist sozusagen eine Aufgabe im Spiel, für deren Erfüllung man Belohnungen bekommt), für die er sich eigentlich etwas zu gut ist. Sein ständiges Beschweren fängt schnell an, nervig zu werden.

Regelmäßig bekommt Ben Quests, die für seine Stufe eigentlich zu hoch sind. Natürlich schafft er diese trotzdem. Der Autor versucht, das ganze spannend zu machen, indem Ben jedes Mal beinahe stirbt, aber es ist schnell klar, dass dies nicht passiert.

Wie Fähigkeiten erhöht werden, ist ziemlich undurchsichtig. Ben kann zwar Skillpunkte nutzen, um sich zu verbessern, jedoch ist dies auch möglich durch Training. In einigen Situationen reichen aber wenige Sekunden des Trainierens, um die Fähigkeit zu erhöhen, während er an einer anderen Stelle mehrere Tage am Stück von morgens bis abends Schwertkampf trainiert und sich nichts tut.

Die Wirtschaft des Spieles ist ebenfalls ziemlich unglaubwürdig. So kann Ben nach nur kurzem Trainieren die besten Tränke des ganzen Reiches herstellen und diese für ein kleines Vermögen verkaufen. Wieso sollte dies nicht jeder Spieler so machen? In tatsächlichen Spielen dieser Art würde nämlich genau das passieren, hier jedoch kommt keiner der anderen Spieler auf diese Idee.

Zwischendurch wird Ben nach dem Gott gefragt, welchem er anhängt. Ben trifft zunächst sehr schnell eine Wahl, ohne überhaupt etwas über die verschiedenen Götter zu wissen. Erst später in der Geschichte fragt er nach und weiß absolut nichts darüber, was diese Götter ausmacht. Es fühlt sich an, als ob die beiden Szenen im Buch vertauscht wurden.

Insgesamt wirkt die Geschichte etwas inkohärent und für erfahrene MMO Spieler oftmals auch unglaubwürdig.

Die Charaktere:

Wie bereits gesagt, hat Ben einige negative Charaktereigenschaften. Trotzdem kommt er recht nah daran, als Marty Stue (eine männliche Mary Sue) zu gelten. Er trifft immer die richtigen Entscheidungen, selbst wenn ihm die KI zu etwas anderem rät, ist sein Weg am Ende der richtige. Er schafft alles, selbst wenn es eigentlich unmöglich scheint. Er erlernt jegliche Fähigkeit ohne große Mühen. Oh, und natürlich liegen ihm so ziemlich alle Frauen zu Füßen. Am Ende hat er sogar einen tragischen Moment, der zeigen soll, wie sehr er sich doch geändert hat – was er nicht getan hat. Ich persönlich habe Ben als sehr unangenehmen und unglaubwürdigen Charakter empfunden.

Dagegen war Teto, Bens KI Begleiter, ein durchaus nett gestalteter Charakter. Er musste das gesamte Buch über mit Bens ständigen Launen leben und blieb, abgesehen von kleineren Sticheleien, trotzdem freundlich ihm gegenüber. Tetos Charakterzüge zeigten sich wunderbar im Buch und er handelte immer treu diesen gegenüber.

Es gab einen Haufen Nebencharaktere, welche sehr unterschiedlich stark ausgeformt waren. Die meisten dieser Charaktere habe ich als gut geschrieben wahrgenommen. Sofern sie oft genug vorkamen, um dies beurteilen zu können, waren sie charaktertreu, egal ob gut oder böse, und einige hatten auch etwas mehr Tiefe als ein typischer Nebencharakter.

Der Schreibstil:

Ich muss dem Buch zugutehalten, dass es wirklich sehr amüsant geschrieben ist. Zudem passt der Schreibstil wirklich gut zur Geschichte selbst, was dazu geführt hat, dass ich trotz einiger Ärgernisse doch weiterlesen wollte. Der Schreibstil hat mir Hoffnung gemacht, dass es vielleicht später besser werden würde.

Allerdings hätte der Autor durchaus von einem Korrektorat profitiert. Vor allem gegen Ende wurde ich immer wieder von Rechtschreibfehlern aus dem Lesefluss geworfen.

Fazit:

Q-World hat eigentlich eine Menge Potential und spricht Themen an, welche eine gute Geschichte ergeben könnten, jedoch werden diese immer sehr schnell abgehandelt. Trotz eines angenehmen, passenden Schreibstils und, abgesehen von Ben, gut geschriebenen Charakteren, kann die Geschichte leider absolut nicht überzeugen.

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