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Ich bin Gideon

Rezension zu „Ich bin Gideon“ von Tamsyn Muir

Meine Bewertung:

Details:
Titel: Ich bin Gideon
Reihe: Ninth House Band 1
Autor: Tamsyn Muir
Verlag: heyne
Seiten: 608
Kauflink: Amazon
Preis: 14,99 € (D) Taschenbuch; 11,99 € (D) E-Book

Worum geht es?

„Gideon Nav reicht es. Sie hat genug von dem düsteren Planeten voller verknöcherter Nonnen, starrer Regeln und schwarzer Klamotten, auf dem sie aufgewachsen ist. Genug von einem Leben als Dienerin des Neunten Hauses. Vor allem aber hat sie genug von Harrowhark Nonagesimus, der Erbin eben jenes Hauses, die Gideon mit ihrer herrischen Art das Leben schwer macht. Also packt Gideon ihr Schwert und ihre Pornohefte ein, um endlich von diesem gottverlassenen Planeten zu verschwinden. Doch sie wird erwischt. Die Strafe für ihren Fluchtversuch ist unangenehm: Sie soll Harrowhark als Schwertmeisterin an den kaiserlichen Hof begleiten, wo diese, gemeinsam mit den Erben der anderen royalen Häuser, an einem Wettkampf auf Leben und Tod teilnimmt. Wenn sie den Untergang des Neunten Hauses und ihres Planeten verhindern wollen, müssen sie beide wohl oder übel zusammenarbeiten. Und das obwohl sie einander auf den Tod nicht ausstehen können – oder?

Meine Meinung:

Die Geschichte:

Zunächst einmal ist der zweite Teil des obenstehenden Klappentextes etwas irreführend. Es handelt sich nicht um einen tatsächlichen Wettkampf um Leben und Tod, an dem Gideon und Harrow teilnehmen. Tatsächlich ist es mehr ein großes Rätsel, welches dazu gedacht ist, herauszufinden, wie man Unsterblichkeit erlangt. Dieses wird zwar recht schnell tödlich, aber dies war nicht die eigentliche Absicht und ich möchte hier kurz pedantisch sein!

Ein Punkt, der mir persönlich nicht gut gefiel, ist von Anfang an bemerkbar: Die Autorin gibt viel zu wenig Informationen. Lange habe ich es daher als schwer empfunden, der Geschichte zu folgen, da ich die Welt, in der sie spielt, nicht richtig verstanden habe. Informationen fehlen immer dann, wenn Gideon, die Protagonistin, etwas nicht weiß, oder es für sie selbstverständlich ist. Im ersten Fall ist dieser Mangel an Informationen spannungsfördernd, im zweiten Fall eher verwirrend. Als Leser sind viele dieser Dinge nämlich eben nicht selbstverständlich. Im Laufe des Buches erfährt man genug, um die Welt und ihre Regeln grundlegend zu begreifen, ich muss dennoch gestehen, dass ich am Ende immer noch mehr Fragen als Antworten hatte.

Fehlende Informationen sind allerdings nicht immer schlecht. Abgesehen davon, dass es etwas schwer war, sich in die Geschichte einzufinden, hat dieser Umstand oft genug die Spannung gesteigert. Es war unvorhersehbar, was als nächstes geschehen würde, oder überhaupt geschehen könnte. Ich würde „Ich bin Gideon“ als das spannendste Buch, das ich seit längerem gelesen habe, einstufen.

Die Geschichte selbst ist voller guter Ideen, die perfekt umgesetzt werden. Das Buch nimmt sich genau die richtige Zeit für alles – wobei das bei 605 Seiten auch nicht schwer sein sollte – ist dabei aber auch nicht langweilig. Das Ende hat mich emotional etwas mitgenommen und das obwohl der gesamte Schreibstil recht unemotional ist. Ich persönlich empfinde „Ich bin Gideon“ als gelungenes Gesamtpaket.

Der Schreibstil:

Das gesamte Buch ist unglaublich witzig und bissig geschrieben, wobei dies immer der Situation angemessen ist. Wir erleben die Geschichte aus Gideons Perspektive und die ist beinahe nie um einen Kommentar verlegen. Dies spiegelt sich im Schreibstil wider.

Besonders gelungen fand ich die vielen außergewöhnlichen Beschreibungen. So hat das Haar einer Frau „die blasse Farbe haltbarer Butter“ und bei einer Feier hat eine Gruppe der Gäste ihr „ganz besonderes Geburtstagsgesicht aufgesetzt“. Diese kleinen, besonderen Einschübe finden sich immer wieder im Buch und haben bei mir dafür gesorgt, dass ich den Schreibstil der Autorin sehr zu schätzen begonnen habe.

Die Charaktere:

Zunächst ein kleiner Kritikpunkt: In diesem Buch gibt es eine Menge Charaktere, mit sehr, sehr… sehr ausgefallenen Namen. Es gibt zu Beginn ein Personenverzeichnis, welches über drei Seiten geht und ich musste oft genug zurückblättern, um herauszufinden, wer zu welchem Haus gehörte.

Trotzdem hat jeder der vorkommenden Charaktere klar definierte Charaktereigenschaften. Selbst Charaktere, welche kaum vorkommen, wirken vielschichtig und nicht flach. Besonders gut ausgearbeitet sind natürlich die beiden Hauptcharaktere, Gideon und Harrow, sowohl in ihrer eigenen Persönlichkeit als auch in der Beziehung zueinander.

Beide Hauptcharaktere haben eine Reihe positiver und negativer Eigenschaften, in denen sie konsistent handeln. Gerade Gideons negative Charaktereigenschaften sind bis zum Ende präsent. Sie ist starrköpfig, ein kleines bisschen hitzköpfig und auch nicht unbedingt die hellste Glühbirne. Damit will ich nicht sagen, dass sie dumm ist, aber Gideon hinterfragt beinahe nichts und sie hat kein großes Interesse daran, Wissen zu erwerben. Sie trainiert sehr viel lieber mit dem Schwert. Trotzdem ist Gideon ein liebenswerter, wenn auch manchmal etwas anstrengender Charakter. Sie ist treu und loyal, hat immer einen bissigen Spruch auf den Lippen und sie sehnt sich nach Anerkennung.

Harrow und sie sind zu Beginn des Buches feindlich zueinander. Doch um die Prüfungen zu bestehen, müssen sie einen Weg finden, miteinander klar zu kommen. Es gibt viele kleine Momente, in denen sich die Beziehung der beiden verändert. Auch wenn ich gerne mehr davon gesehen hätte, da ich Charakterentwicklung in Büchern ganz besonders liebe, so muss ich trotzdem sagen, dass die Entwicklung sehr gut geschrieben wurde.

Ganz besonders möchte ich auch auf die intelligenten Handlungen der Charaktere hinweisen. In vielen Büchern habe ich das Gefühl, dass die Handelnden nicht mitdenken und die einfachsten Lösungen nicht sehen, nur damit die Handlung weitergehen kann. In dieser extrem verflochtenen Geschichte wird mehrfach von allen Akteuren versucht, das Puzzle zu lösen und sie kommen zu ähnlichen Ideen, wie ich es als Leser getan habe.

Fazit:

Meine einzigen, wirklichen Kritikpunkte zu „Ich bin Gideon“ sind die Tatsache, dass mir oft Informationen fehlten und die vielen, vielen Charaktere, über die man leicht den Überblick verliert. Ich kann mir vorstellen, dass Menschen, die so etwas in Büchern nicht gefällt, weniger Spaß beim Lesen haben könnten. Jedoch muss ich gestehen, dass zumindest fehlende Informationen etwas ist, das für mich normalerweise ein Buch völlig ausschließen würde und dennoch habe ich dieses Buch verschlungen.

Die Geschichte ist spannend, die Charaktere vielschichtig und sie handeln sinnvoll. Der zweite Teil wird übrigens Mitte des Jahres auf Englisch veröffentlicht. Von mir gibt es hier eine klare Leseempfehlung!

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