Drama

Das außergewöhnliche Leben des Sam Hell – Höllisch gut, bis Gott eingreift

Rezension zu „Das außergewöhnliche Leben des Sam Hell“ von Robert Dugoni

Meine Bewertung:

Details:
Titel: Das außergewöhnliche Leben des Sam Hell
Autor: Robert Dugoni
Verlag: Tinte und Feder
Seiten: 554
Kauflink: Amazon
Preis: 19,99 € (D) Hardcover; 9,99 € (D) Taschenbuch; 1,99 € (D) E-Book
Erhältlich im Kindle Unlimited Abo

Worum geht es?

„Aufgrund eines Gendefekts hat Sam rote Pupillen. Für seine Mutter ist das Gottes Wille, die anderen verhöhnen ihn als „Teufelsjungen“. Erst als Sam die rebellische Mickie und den afroamerikanischen Ernie kennenlernt, ist er nicht länger einsam, und die drei Außenseiter werden Freunde.

Jahre später blickt Sam auf seine Kindheit und die schwierigen Momente seines Lebens zurück, die ihn zu dem gemacht haben, der er heute ist. Doch um endlich das zu tun, worauf es im Leben ankommt, muss Sam die Vergangenheit akzeptieren, seine innere Stärke finden und beginnen, die Welt mit anderen Augen zu sehen.“

Meine Meinung:

Die Geschichte:

Der größte Teil des Buches erzählt von Sams Kindheit und Jugend, welche in den späten 1950er bis in die 1970er Jahre in Amerika stattfanden. Zwischendurch wechselt die Geschichte jedoch immer wieder in die späten 80er und 90er Jahre und zeigt, wie sich die Charaktere verändert haben (oder in manchen Fällen eben nicht verändert haben). Diese Zeitsprünge sind sehr interessant, an manchen Stellen habe ich mich allerdings gefragt wieso genau dort einer eingefügt wurde. Es wirkte manchmal etwas wahllos. Der letzte Zeitsprung von 1989 zu 1999 erschien mir ein wenig unglaubwürdig, da die Charaktere scheinbar ihre Beziehung genau da wieder aufnahmen, wo die Geschichte 10 Jahre zuvor stoppte.

Insgesamt hat mir das Buch dennoch wirklich sehr gut gefallen. Es ist eine wundervolle Geschichte über Freundschaft, Liebe, anders sein, das Gute und das Schlechte im Menschen, Machtlosigkeit, Rassismus, Religion und das Bedürfnis, dazu zu gehören. Jedes dieser Themen findet sich wieder und bekommt genug Platz, um sich Gedanken darüber zu machen. Besonders stark vertreten ist natürlich die Thematik der Andersartigkeit und damit verbundene Ausgrenzung und sogar Rassismus. Der Hauptcharakter, Sam Hell, wird auf der katholischen Schule ausgegrenzt, weil seine roten Augen an den Teufel erinnern. Sein bester Freund Ernie ist der einzige Schwarze auf seiner Schule und auch wenn er Glück hat und nur selten starken, gewalttätigen Rassismus erlebt, so sind die kleinen „gutgemeinten“ Aussagen, die er täglich zu hören bekommt, doch verletzend. Mickie ist ein sehr rebellisches Mädchen, welches sexuell recht freizügig ist – eine Eigenschaft, die Frauen in dieser Zeit zum Gespött der Leute machte.

Auch das Thema Religion hat einen hohen Stellenwert, wird dabei aber fast durchgehend auf eine angenehme Art und Weise behandelt. Sams Mutter ist sehr religiös und bringt ihn von klein auf mit in die Kirche. Sam verliert allerdings den Glauben, als ihm klar wird, dass Gott nichts tut, worum er ihn bittet. Er ändert nicht seine Augenfarbe, er hilft ihm nicht gegen die erlebte Ausgrenzung und er verhindert auch nicht den Schlaganfall seines Vaters. Der Verlust des Glaubens und die damit verbundenen Gefühle werden im Buch sehr nachvollziehbar dargestellt. Bis dann ganz am Ende des Buches alle zusammen auf eine Wallfahrt gehen, ein großartiges Erlebnis haben und Sam auf einmal doch wieder glaubt. Das war dann leider der Punkt, an dem mich das Buch ziemlich enttäuscht hat. Auch wenn die Dinge, die danach geschehen, nicht durch Gott möglich gemacht werden, sondern durch die Liebe von Sams Mutter und ihrer Weitsicht, so wird doch vieles danach als Wunder von Gott dargestellt und die Geschichte verliert sich leider etwas in religiösem Kitsch.

Die Charaktere:

Jeder einzelne Charakter in diesem Buch scheint mit viel Liebe geschrieben worden zu sein. Jeder hat mit seinen Dämonen zu kämpfen, welche mehr oder weniger aufgearbeitet werden und die Charaktere über die Zeit hinweg zu denen machen, die sie am Ende sind. Keiner dieser Charaktere ist perfekt, im Gegenteil, jeder von ihnen wirkt extrem menschlich. Man hat Mitgefühl mit diesen Personen, die da Fehler machen, aufstehen und weitermachen.

Natürlich ist nicht jeder Charakter gut und bei einigen weiß man zwar, wieso sie so handeln, aber man möchte es nicht nachvollziehen können. Da ist z.B. David, der täglich von seinem Vater verprügelt wurde, dazu psychopathische Tendenzen zeigt und als Erwachsener nun sein eigenes Kind und seine Ex-Frau misshandelt. Das ist nicht richtig, das möchte man nicht verstehen, aber auch das geschieht in der Realität. Und genauso zeigen einige dieser Figuren Reue und versuchen, sich zu bessern, während andere leider Monster bleiben.

Jeder Charakter ist glaubhaft dargestellt und wichtiger als die Geschichte selbst, ist in diesem Buch die charakterliche Entwicklung.

Fazit:

„Das außergewöhnliche Leben des Sam Hell“ ist eine berührende Geschichte, mit lebensnahen Charakteren und wichtigen Themen. Ich kann dieses Buch besonders empfehlen, wenn dir Charakterentwicklung wichtiger ist als Handlung. Einzig das Ende der Geschichte hat mich nicht überzeugt.

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