Love

Moonlight Radio – Esoterische Nachricht auf schlechter Frequenz

Rezension zu „Moonlight Radio – auf einer Frequenz mit dir“ von Subina Giuletti

Meine Bewertung:

Details:
Titel: Moonlight Radio – auf einer Frequenz mit dir
Autor: Subina Giuletti
Seiten: 540
Kauflink: Amazon
Preis: 2,49 € (D) Taschenbuch; 8,99 € (D) E-Book
Erhältlich im Kindle Unlimited Abo

Worum geht es?

„Seit Monaten versucht Charlene, ihr Leben neu zu sortieren. Da kommt das Angebot, eine nächtliche Radiosendung zu moderieren, gerade recht. Unter dem Decknamen „Pixie“ startet sie ein gewagtes und anspruchsvolles Konzept – durchdrungen von ihrem Grundsatz, dass das Leben schön und Glück für jeden möglich sei.

Glück? Darüber kann Jeff nur lachen. Das Leben ist nicht schön, sondern ungerecht und bitter!

Ausgerechnet in einer Livesendung prallen ihre gegensätzlichen Lebenseinstellungen aufeinander. Doch Jeffs Verzweiflung bewegt nicht nur die Zuhörer. Auch Charlene ist tief berührt.

Im Laufe der Sendung mischt sie Jeffs Leben gehörig auf, bis er schließlich nur noch eines will: herausfinden, wer sich hinter dem Decknamen „Pixie“ verbirgt. Ungewollt treibt er sie damit beide in eine Situation, die ihre wie seine Existenz gefährdet…“

Meine Meinung

Die Autorin scheint dafür bekannt zu sein, sehr esoterisch angehauchte Bücher zu schreiben. Hätte ich dies gewusst, hätte ich dieses Buch vermutlich gar nicht erst ausgewählt. Ich werde versuchen meine persönliche Abneigung gegen ihre Ansichten aus dieser Kritik herauszuhalten, ganz kann ich ihre Botschaften allerdings auch nicht stehen lassen.

Die Charaktere:

Charlene, eine der beiden Hauptcharaktere, ist eine absolute Mary Sue („Eine Mary Sue ist eine idealisierte und vermeintlich perfekte Kunstfigur. Diese Figur wird oft als Wunschvorstellung des Autors wahrgenommen.“ Quelle: Wikipedia). Sie sieht heiß aus, trotz ihres Alters, alle Männer wollen sie. Sie ist klug und gebildet, findet immer die richtigen Worte und bewegt alle Menschen mit denen sie zu tun hat. Jeder will mit ihre befreundet sein, sie bekommt Einladungen der High Society, aber sie hat überhaupt kein Interesse daran. Denn sie kann in die Menschen hineinsehen und sucht sich natürlich nur Freunde, deren Herz am rechten Fleck ist. Das einzig „negative“ an Charlene sind die schrecklichen Schicksalsschläge, welche sie erleiden musste (übrigens auch typisch für Mary Sues), die sie aber am Ende alle stärker gemacht haben.

Charlenes Freunde fallen alle in irgendeine Klischeevorstellung. Da ist der schwule Frisör, der genauso aussieht und sich verhält, wie man das von einem schwulen Frisör erwartet. Dann gibt es eine Trans-Frau, deren gesamte Identität genau das ist: Eine Trans-Frau zu sein. Natürlich hat Charlene ihr geholfen, sich selbst zu finden. Es gibt noch ein Vintagegirl, die natürlich ein kleines Cafe betreibt und zuletzt die dreifache Mutter, die in Jogginghose herumläuft, obwohl sie ebenfalls zur High Society gehört. Bei ihren Treffen tauschen diese Freunde permanent Slapstick Witze aus, welche das ganze eher wirken lassen, wie in einer Sitcom. Ich denke, Charlenes Freundeskreis sollte liebenswert wirken, auf mich machte er leider nicht diesen Eindruck.

Jeffrey, die andere Hauptperson macht über das Buch hinweg eine starke Charakterentwicklung durch, die so schnell und extrem vonstatten geht, dass es sehr unglaubwürdig wirkt. Was schade ist, da Jeffrey noch der stimmigste Charakter von allen war. Er hat Stärken und Schwächen und handelt größtenteils charaktertreu, auch wenn ihn das manchmal unsympathisch macht.

Die Geschichte:

Die Geschichte könnte eigentlich so schön sein. Da ist eine Frau, die mit ihren positiven Botschaften das Leben von vielen Menschen bereichert und dabei auch einem sehr verzweifelten Mann das Leben rettet. „Pixie“ bzw Charlene vertritt eine Botschaft von Positivität dem Leben gegenüber. „Ich persönlich glaube, dass das Leben aus Chancen besteht! Aber eine weitere Chance bringt nur dann was, wenn du verstanden hast, warum es beim ersten Mal nicht geklappt hat. Oder, um es anders auszudrücken: Solange du das, was hinter dir liegt, nicht loslässt, kann nichts Neues entstehen.“

Das klingt erstmal schön, schnell wird aber deutlich, dass ihre Einstellung auch beinhaltet, dass wenn es im Leben nicht klappt, man immer wieder Pech hat und einfach nicht weiterkommt, man selbst schuld ist. Denn man war nicht positiv genug. Dies wird mit pseudowissenschaftlichen Fakten belegt (wobei teilweise auch die Namen der „Wissenschaftler“ falsch geschrieben sind) und mit Anekdoten und esoterischen Geschichten gewürzt. Unser Denken erzeugt, so die Aussage, ein Feld um uns herum, mit dem wir unsere Umgebung beeinflussen. Dass hier durchaus Victim blaming betrieben wird, wird zwar auch angesprochen, aber schnell unter den Teppich gekehrt. Denn man ist immer selbst an seiner Misere schuld und wenn man denkt, man war positiv und es ist trotzdem alles schief gegangen, ja dann war man unterbewusst wohl doch nicht positiv.

Die spätere Liebesgeschichte des Buches kommt ziemlich plötzlich auf. Eine natürliche Entwicklung gibt es kaum, dadurch wirkt diese sehr gehetzt und unnatürlich. Es hilft auch nicht, dass ein großer Teil über Schwingungen läuft, die die beiden sich zusenden, ohne sich überhaupt zu treffen. Aber vielleicht bin ich hier auch voreingenommen, durch meine Abneigung gegen Esoterik.

Der Schreibstil:

Grundsätzlich liest sich die Geschichte sehr angenehm und flüssig, was ich hier betonen möchte, da ich dem Text nicht viel mehr Positives abgewinnen konnte. Allerdings wird die Geschichte im späteren Verlauf doch etwas öde. Da finden sich plötzlich seitenlange Monologe über esoterische Botschaften und pseudowissenschaftliche Fakten, die ich teilweise nur überflogen habe, da sie inhaltlich kaum Neues boten.

Fazit:

Man hätte den Text um etwa ein Drittel kürzen können, ohne nennenswerten inhaltlichen Verlust. Oder man hätte diese extra Länge nutzen können, um Charaktere etwas auszufeilen, die Liebesgeschichte natürlicher wachsen zu lassen oder einige Handlungselemente glaubhafter darstellen zu können. Ich persönlich konnte dem Buch leider nichts abgewinnen, was sicher zu einem großen Teil an meiner eigenen Einstellung liegt, aber ebenso durch die anderen Schwachstellen des Buches zustande kam.

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