Cover "Scythe" Band 1
Dystopie Fantasy

Scythe – Die Hüter des Todes

Rezension zu „Scythe – Die Hüter des Todes“ von Neal Schusterman

Meine Bewertung:

3 Sterne

Details:
Titel: Scythe – Die Hüter des Todes
Reihe: Scythe Band 1
Autor: Neal Schusterman
Verlag: Sauerländer
Seiten: 528
Kauflink: Amazon
Preis: 19,99 € (D) Hardcover; 15,00 € (D) Taschenbuch; 8.99€ (D) E-Book

Worum geht es?

„Unsterblichkeit, Wohlstand, unendliches Wissen.
Die Menschheit hat die perfekte Welt erschaffen – aber diese Welt hat einen Preis.

Citra und Rowan leben in einer Welt, in der Armut, Kriege, Krankheit und Tod besiegt sind. Aber auch in dieser perfekten Welt müssen Menschen sterben, und die Entscheidung über Leben und Tod treffen die Scythe. Sie sind auserwählt, um zu töten. Sie entscheiden, wer lebt und wer stirbt. Sie sind die Hüter des Todes. Aber die Welt muss wissen, dass dieser Dienst sie nicht kalt lässt, dass sie Mitleid empfinden. Reue. Unerträglich großes Leid. Denn wenn sie diese Gefühle nicht hätten, wären sie Monster.
Als Citra und Rowan gegen ihren Willen für die Ausbildung zum Scythe berufen werden und die Kunst des Tötens erlernen, wächst zwischen den beiden eine tiefe Verbindung. Doch am Ende wird nur einer von ihnen auserwählt. Und dessen erste Aufgabe wird es sein, den jeweils anderen hinzurichten…“

Klappentext "Scythe" Band 1

Zitat:

„Aber offiziell nennen wir es nicht töten. Diese Bezeichnung ist gesellschaftlich und moralisch inkorrekt. Von Anfang an und bis heute heißt es nachlesen, nach der Art, wie die Armen in biblischen Zeiten den Wegen der Weinbauern gefolgt sind, um einzelne vergessene Reben aufzulesen. Es war die früheste Form der Wohlfahrt.“ – Scythe Curie

Meine Meinung:

Die Geschichte:

Citra und Rowan sind Schüler und leben ein normales Leben, bis beide den Scythe Faraday kennenlernen. Beide machen großen Eindruck auf diesen und er entscheidet, sie für ein Jahr lang als Schüler zu nehmen. Der Bessere der beiden wird danach selbst zum Scythe, während der andere zurück in sein altes Leben darf.

Die Welt ist zu diesem Zeitpunkt beinahe eine Utopie geworden. Die Technik sorgt dafür, dass Menschen jederzeit wieder verjüngt und auch wiederbelebt werden können. Eine KI hat die Macht und hat mit gerechten Gesetzen dafür gesorgt, dass es keine Kriege und keine Armut mehr gibt. Doch wenn niemand mehr stirbt, aber immer mehr Menschen geboren werden, ist es auch so nicht ewig möglich, alle zu versorgen. Daher gibt es die Scythe, welche einen dauerhaften Tod bringen können. Sie allein entscheiden, wer sterben wird und sie sind es auch, die die Person dann töten – oder nachlesen, wie sie es nennen.

Vom Prinzip her klang das für mich sehr gut, denn man könnte hier leicht verschiedene moralische Probleme erkunden. Etwa, was gerechte Kriterien sind, um auszuwählen, wer sterben muss. Warum kann dies nicht ebenfalls die KI entscheiden? Was macht eine perfekte Gesellschaft aus? Tatsächlich bleibt das Buch aber sehr oberflächlich und spaltet die Welt sehr in Gut und Böse auf. Da sind die guten Scythe, welche nur töten, weil sie es müssen. Die einen schnellen, sanften Tod wählen und nachher auch mal weinen. Auf der anderen Seite sind da die bösen Scythe, die grausame Massaker veranstalten und das Töten ziemlich klasse finden. Ganz problematisch fand ich allerdings die Auswahl derer, die getötet werden müssen. In einer Gesellschaft, in der Menschen potenziell hunderte von Jahren alt werden können, ist es meiner Meinung nach ziemlich ungerecht, Kinder umzubringen. Da der Autor aber auch die guten Scythe eben dies tun lässt, hätte er es nutzen können, um moralisch graue Situationen zu erkunden. Leider wurde dies aber nicht getan und eher unter den Teppich gekehrt.

Das Buch folgt in diesem Setting den beiden Lehrlingen Citra und Rowan und beschreibt, was diese lernen. Mir persönlich hat es Spaß gemacht, dies so genau erzählt zu bekommen, ich kann mir jedoch vorstellen, dass es für viele Menschen eher langweilig werden könnte. Es gibt zwar einige spannende Situationen vor allem gegen Ende, jedoch fokussiert sich das Buch eher auf andere Dinge.

Die Charaktere:

Das Buch legt den Schwerpunkt eher auf die Geschichte und weniger auf die Charaktere. Das merkt man schon daran, dass es beinahe keine Beschreibungen des Äußeren der Personen gab. Das einzige Detail, welches immer beschrieben wurde, sind die Roben der Scythe. Abgesehen davon hatte ich keine Anhaltspunkte, wie die Protagonisten überhaupt aussahen.

Charakterlich bleiben die meisten Personen im Buch eher flach. Die beiden Protagonisten sind davon zwar ausgenommen, aber bei diesen gibt es oft Sinneswandlungen, die so plötzlich zustande kommen, dass es sehr unglaubwürdig wirkt.

Der Schreibstil:

Es gibt immer abwechselnd ein Kapitel der Geschichte und einen kurzen Tagebucheintrag eines Scythe. Letztere sind oft sehr aufschlussreich und geben Erkenntnisse über deren Kultur. Jedoch werden sie auch mehrfach dazu genutzt, Dinge anzudeuten. Dies wäre interessant, wenn diese Dinge dann nicht jedes Mal im nachfolgenden Kapitel sofort eintreten würden.

Insgesamt ist der Schreibstil sehr nüchtern und distanziert. Auch wenn man oft erzählt bekommt, was in den Köpfen der Protagonisten vor sich geht, hat man nie das Gefühl, diese zu verstehen. Dies macht die eben genannten plötzlichen Sinneswandel so besonders unglaubwürdig. Ganz besonders die plötzliche Liebesgeschichte ist durch diese Faktoren völlig unverständlich und passt nicht zum Rest des Buches.

Fazit:

Meiner Meinung nach verschenkt Scythe beinahe sein gesamtes, riesiges Potential. Man hätte so viele moralische Themen zum Erforschen gehabt, stattdessen wurde einfach eine schwarz-weiße Welt aufgebaut, mit Charakteren, zu denen es schwer ist, eine Bindung aufzubauen.

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